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 CONTERGAN
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CONTERGAN III

Die Folgen

Wegen der weiter verzögerten Auszahlung der Entschädigungssumme wurde die damalige sozialliberale Koalition tätig. Es wurde beschlossen, eine Stiftung einzurichten, in die der Bund und die Firma Grünenthal zu gleichen Teilen einzahlen sollte. Es kam zu dem heute berüchtigten Stiftungsgesetz, das dazu führte, dass die Conterganopfer keinerlei Ansprüche mehr gegen den Verursacher richten durften, sondern die Stiftung, beziehungsweise der Staat die Versorgung der Geschädigten übernehmen würde. Eine zu Beginn zugesicherte Dynamisierung der Rente, wegen derer viele Eltern dieser Stiftung zugestimmt hatten, wurde gesetzlich nicht festgelegt. Somit erfolgte die Entschädigung der Conterganopfer nach Kassenlage und Willkür des Staates.

1997 war das Stiftungsvermögen aufgebraucht, so dass die Rentenzahlungen aus dem Bundeshaushalt erfolgten.

In weiterer Folge des Conterganskandals wurde das deutsche Arzneimittelrecht reformiert. Es zählt seither zu den strengsten der Welt, so dass heute alle Patienten von dieser zusätzlichen Sicherheit profitieren.

Bis vor kurzem betrug die höchste Rente für das Fehlen beider Arme und Beine 545 € pro Monat.

Im November 2007 wurde in der ARD der Fernsehfilm Contergan - eine einzige Tablette ausgestrahlt. Millionen von Fernsehzuschauern, Politiker und nicht zuletzt die Geschädigten selbst wurden durch diesen Film nochmals wachgerüttelt. Dem Erfolg dieses Filmes ist es zu danken, dass ab dem 1.7.2008 die Rente verdoppelt wurde und die Firma Grünenthal nochmals 50 Millionen € in die Stiftung einbezahlen will. Dies sind etwa 17.000 € pro Geschädigten. Durch die steuerliche Anrechenbarkeit reduziert sich die Nettobelastung für Grünenthal auf etwa 25 Millionen € über mehrere Jahre verteilt.

Der Steuerzahler kommt weiterhin mit 30 Millionen € jährlich dafür auf, ebenso der Beitragszahler für den notwendigen Kosten der medizinischen Behandlung.
Die Höchstrente beträgt 1090 €, eine Entschädigung für das erlittene Unheil ist das bei weitem nicht. Auch reicht diese Summe nicht aus, um vielen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Folgeschäden an Gelenken und Wirbelsäule sind nicht berücksichtigt. Man bedenke auch, dass ein schwer Geschädigter ohne Arme eine permanente persönliche Assistenz benötigt!

Auch nach dieser Anpassung ist die durchschnittliche Entschädigungsrente in Großbritannien noch um das zweieinhalbfache höher, selbst in Brasilien beträgt die durchschnittliche Entschädigungssumme pro Monat 1800 €.

Die Eigentümerfamilie von Grünenthal zählt hingegen zu den reichsten Familienclans Deutschland. Das persönliche Vermögen wird auf 3,3 Milliarden € geschätzt.

In Kürze wird Grünenthal ein neues Schmerzmittel auf den Markt bringen und in den USA vertreiben, der erwartete Jahresumsatz allein damit soll eine Milliarde € betragen.

Angesichts dieser Zahlen ist der Beitrag von Grünenthal zur Entschädigung der Conterganopfer weiterhin völlig unzureichend.




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